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Amortisationsrechnung

Bei der Anschaffung einer neuen Heizung fragt sich der Verbraucher: „Ab wann rechnet sich die Investition für mich? Wann ist der Zeitpunkt gekommen, ab dem ich meine finanzielle Investition z.B. durch niedrigere Heizkosten wieder eingespart habe?“. Diese Frage ist vor allem dann akkut, wenn die alte Heizung eigentlich noch läuft, oder man vor der Entscheidung steht, zu einem neuen Brennstoff zu wechseln. Bei der Ermittlung der Zeitpunktes, ab dem sich eine Investition – z.B. einer Heizung – rechnet, spricht man In der Wirtschaft von der „Amortisation" bzw. „Amortisationszeit".

Wann rechnet sich die Investition in eine neue Heizung?

Viele beachten nur einen Teil der Faktoren und machen dadurch einen gefährlichen Rechenfehler.

Beispiel:
Der 25 Jahre alte Heizkessel im Keller funktioniert eigentlich noch, aber ein neuer Heizkessel spart 30% Heizöl (500 Euro pro Jahr) bei gleicher Wärmeleistung. Der neue Heizkessel inkl. Einbau soll 5.000 Euro kosten.

5.000 Euro einmalige Kosten und 500 Euro jährliche Ersparnis muss ja heißen, dass sich meine Neuanschaffung nach 10 Jahren rechnet, richtig? Nein, leider ist es nicht ganz so einfach.

Kalkulatorische Zinsen nicht vergessen!

Was viele Verbraucher vergessen ist, dass sie mit den 5.000 Euro, die sie ganz am Anfang investieren, auch noch etwas anderes hätten machen können. Sie hätten das Geld z.B. zur Bank bringen und so Zinsen kassieren können. Oder sie hätten das Geld für andere Verbindlichkeiten verwenden können, wie z.B. für eine Sondertilgung für das Haus oder für die Autofinanzierung, um so die eigenen Zinslast zu reduzieren. Man spricht hier von den „kalkulatorischen" Zinsen.

Beispiel:

Gehen wir einmal davon aus, dass Ihr persönlicher kalkulatorischer Zinsatz 5% beträgt, weil Sie mit den 5.000 Euro auch die Autofinanzierung hätten abbezahlen können. Wie würde die obige Rechnung für Sie aussehen?

5.000 Euro einmalige Kosten, 500 Euro jährliche Heizkostenersparnis und 250 Euro jährliche kalkulatorische Zinsen (5% von 5.000 Euro) machen eine jährliche Gesamtersparnis von 250 Euro aus.

D.h. hält der neue Heizkessel mehr als 20 Jahre, dann war die Anschaffung eine gute Entscheidung.

Rechnet sich der Umstieg auf eine Pellet-Heizung oder soll ich lieber bei Heizöl bleiben?

Eine ähnliche Rechnung sollte man auch machen, wenn man sich bereits für die Anschaffung einer neuen Heizung entschieden hat, aber nun vor der Entscheidung steht, ob man beim alten Brennstoff bleibt oder zu einer neuen Form wechselt.

Beispiel:
Eine neue Öl-Brennwertheizung kostet inkl. Einbau 10.000 Euro. Eine neue vergleichbare Pellet-Heizung kostet inkl. Einbau und Lagerstätte für die Pellets 20.000 Euro. In unserem Beispiel geht man bei der neuen Öl-Brennwertheizung von einem Jahresverbauch von 4.000 Litern Heizöl aus. Nun ist eine Pellet-Heizung im Betrieb günstiger als eine Ölheizung, denn 1 Liter Heizöl entspricht ca. 2,2kg Holzpellets. Zum Zeitpunkt der Berechnung kosten 2,2kg Pellets 0,45€ und 1 Liter Heizöl 0,70€. Das bedeutet eine jährliche Ersparnis von 1.000 Euro (0,70€ - 0,45€ = 0,25€, 0,25€ x 4.000 Liter Heizöl = 1.000€).

Die Berechnung:
Die Investitionsmehrkosten für die Pellet-Heizung betragen einmalig 10.000 Euro. Dafür gibt es eine jährliche Brennstoffersparnis von 1.000 Euro, aber auch 500 Euro kalkulatorische Zinsen pro Jahr (siehe oben). Also eine Gesamtersparnis von 500 Euro pro Jahr.

Die 10.000 Euro Mehrkosten rechnen sich in diesem Beispiel nach 20 Jahren. 

Zusätzlich muss man aber davon ausgehen, dass die Preisdifferenz zwischen Pellets und Heizöl in Zukunft steigt, d.h. man sollte mit einem höheren Heizölpreis als dem aktuellen rechnen. Beachten Sie bei der Rechnung aber ebenfalls, dass auch die Pelletpreise von der Inflation beeinflusst werden. Auch diese werden in den nächsten 10 Jahren wahrscheinlich um 25 bis 30% steigen.

Geht man davon aus, dass die neue Heizung mindestens 20 Jahre hält, dann kann man als vereinfachten Mittelwert einfach die geschätzten Pellet- und Heizölpreise von 2020 einsetzen: Heizöl zu 1,15€/Liter und 2,2kg Pellets zu 0,58€. Die Preisdifferenz beträgt jetzt nicht mehr 0,25€/Liter sondern 0,57€/Liter. In unserem Beispiel wäre das eine jährliche Heizkostenersparnis von 2.280 Euro im Jahr, wobei die 500 Euro jährliche kalkulatorischen Zinsen konstant bleiben. Den 10.000 Euro Mehrkosten für die  Pellet-Heizung stehen also 1.780 Euro jährlicher Gesamtersparnis gegenüber.

Diese Pelletheizung hat sich also nach ca. 5½ Jahren amortisiert und war somit eine gute Entscheidung.

Man sieht schnell, wie stark sich die Preisentwicklung in den nächsten Jahren auf die Amortisation und somit auf die Wahl der wirtschaftlichsten Heizung auswirkt.