Experteninterview Wärmepumpe Frank Kaiser

Was sollten Verbraucher bei der Entscheidung für eine Wärmepumpe beachten?

Frank Kaiser:

Bei der Entscheidung für eine Wärmepumpe sind mit Sicherheit Neubau und Sanierung differenziert zu betrachten!
Allgemein

WW mit der Heizungswärmepumpe:

Frank Kaiser - Experte für Wärmepumpen

Betrachtet man sich die immer niedrigeren Wärmeverbräuche auf der Heizungsseite, die aber zwangsläufig konstanten, vielleicht sogar steigenden Verbräuche bei der Warmwasserbereitung, kann man prognostizieren, dass sich das Verhältnis von früher und meist noch aktuell 80% Heizung + 20% Warmwasser in der Zukunft immer mehr in Richtung 60/40 entwickeln wird!

 

Daher sollte man die Wärmepumpe immer für Wärme und Warmwasser auslegen lassen! Das heißt, eine Aufsplittung der Aufgaben sollte vermieden werden. Zusätzliche Warmwasser-Wärmepumpen liefern oft schlechtere Arbeitszahlen, außerdem kann sich durch den gemischten Betrieb die echte Jahresarbeitszahl sogar verbessern, was auch durch andere Experten der Szene in Fachsymposien schon bestätigt wurde. Grundsätzlich sollte man auch auf eine Warmwasserbevorratung in Form von Speicherwassererwärmern verzichten, da diese eine grundsätzlich höhere Temperatur benötigen – auch im Einfamilienhaus! – um die Trinkwasserhygiene sicherzustellen. Alternativ sollte man sich hierbei für eine bedarfsgerechte Trinkwassererwärmung mit Durchlaufprinzip entscheiden!

Viele Hersteller platzieren immer noch Heizstäbe in ihren Speicherwassererwärmern, um eine sog.Legionellenschaltung realisieren zu können, wovon ich mich eindeutig distanziere! Energetisch betrachtet, macht es keinen Sinn, 60°C im Speicher dauerhaft zu bevorraten, um diese vor der Entnahme wieder auf eine gebräuchliche Temperatur runter zu mischen. Bei Trinkwasserbevorratung ist es wohl die einzige Möglichkeit, die häusliche Warmwasserinstallation ansatzweise legionellenfrei zu halten! „Trinkwasserhygieniker“ sind da mittlerweile sogar so weit, dass sie 60°C auch dauerhaft in Kleinanlagen (auch im Leitungsnetz!!) fordern, wozu auch die Anlagen gehören, die in Ein- und Zweifamilienhäusern zu finden sind. Das ist aber nach wie vor ein heißes Thema – im wahrsten Sinne!

Die (Qual der) Wahl der Wärmequelle:

Auch hier gilt erst einmal allgemein, dass die Wärmequelle mit dem beständigsten und höchsten Temperaturniveau die beste Wahl wäre. Das beginnt eigentlich bei Grundwasser – wo Grundwasser vorhanden ist und ein größerer Leistungsbedarf gedeckt werden muss – geht über Erdreich und endet schließlich bei Luft. Hier gibt es ebenso bei Erdreich und Luft noch verschiedene Bauarten, welche kurz beschrieben werden.

a. Grundwasser ist aber sicher erst bei Anlagen >30kW wirklich interessant, wo die Bohrkosten einer Tiefensondenanlage die Kosten einer Brunnenanlage hinter sich lassen… 

b. Erdreich ist grob zu unterscheiden in: Flächenkollektor und Tiefensonde. Wer einen „Altbau“ mit einem verhältnismäßig großen Grundstück erwirbt und möchte dies mit einer Wärmepumpe beheizen, der sollte eine Direktverdampfung in Betracht ziehen! Es gibt keine Bauart eines Flächenkollektors, der eine bessere Effizienz erzielen kann und gleichzeitig ein solches Preisleistungsverhältnis bietet.

c. Luft ist meist die kostengünstigste „Erschließung“, auch wenn die Maschinen alleine Mehrkosten gegenüber einer Sole-Maschinen mitbringen, allerdings entfallen die Erschließungskosten einer Wärmequelle.

im Neubau sind Betriebskosten oft nur unwesentlich höher als die einer Sole-Wasser-Wärmepumpe (ca.15-20%). Bei z.B. 500,- € im Neubau würden das gerade 100,- € bedeuten! Das gilt aber nur für den Fall, dass mit der Wärmepumpe nur Heizung und Warmwasser bedient wird.

Der Einsatzbereich (Neu- und Altbau, differenziert betrachtet)

Beim Neubau werden oft von Beginn an schon höhere Komfortansprüche angemeldet. Das bedeutet, dass die Wärmepumpe auch vielfach Kühlaufgaben mit übernehmen soll. In einem solchen Falle ist man eigentlich mit einer Erdreich-Tiefensonde, also der sog. Sole-Wasser-Wärmepumpe mit Tiefensonde, am besten bedient. Hier lässt sich schon die Sondenanlage allein für Kühlzwecke gebrauchen, ohne dass die Wärmepumpe an sich mitlaufen muss! Die Arbeitszahl in der Warmwasserbereitung verbessert sich dadurch sogar noch, weil die Energie, die aus dem Haus abgeführt wird, direkt in der Wärmequelle wieder verwertet wird. Die Erdreich-Wärmepumpe ist natürlich auch über einen Flächenkollektor zu bedienen, welcher allerdings nur beschränkt für eine Kühlung herangezogen werden kann. Grundwasser sollte erst bei größerem Leistungsbedarf angedacht werden. Luft ist im Neubau sicher eine Alternative, speziell dann, wenn noch ein anderer Wärmeerzeuger allein aus Komfortgründen (z.B Wasserführender Kamin – oder Pelletofen) mit in das System integriert werden soll. Eine schöne Lösung wie ich finde, weil hier durchaus eine Entlastung der Wärmepumpe erzielt werden kann, welche aber bei richtiger Auslegung dazu in der Lage ist, den Wärmebedarf zu bedienen, bei wirklich kalten Temperaturen auch mal mit der Unterstützung eines Heizstabes – jedoch nur, wenn die Wunschtemperaturen ohne diesen nicht erreicht werden können.  

Wie sehen Sie die Einsatzmöglichkeiten von Wärmepumpen beim Austausch einer alten Heizung?

Frank Kaiser:

Um an die vorige Frage anzuschließen…
Beim „Altbau“ oder besser: bei der Sanierung stellt der Kunde an den Heizungsbauer oder Wärmepumpeninstallateur nochmal höhere Anforderungen. Nicht nur, dass in der Regel ein unausgeglichenes System (= fehlender Hydraulischer Abgleich) vorgefunden wird, sondern ist auch vielfach eine mangelhafte Dämmung des Rohrleitungsnetzes und ein insgesamt schlechter energetischer Zustand gegeben.
Generell rate ich jedem Verbraucher davon ab, den Vorschlag zu akzeptieren, Heizflächen etc. zu belassen und einfach eine Hochtemperaturwärmepumpe zu installieren. Das sind genau die Anlagen, die der Wärmepumpe das Image als „Stromfresser“ aufbrummen, obwohl es bei einer nachhaltigen guten Beratung nicht so sein müsste!

Heizkörper sind nicht das Ausschluss-Kriterium für eine Wärmepumpe, allerdings sollte sich der Kunde darüber im Klaren sein, dass er mindestens einige Heizkörper gegen größere, gegen moderne „Luftheizer“ mit kleinen Ventilatoreinheiten oder raumweise gegen eine Wand-, Decken- oder Fußbodenheizung ersetzen sollte, um langfristig effizient mit einer Wärmepumpe heizen zu können.

Eine vorhandene Flächenheizung ist sicher der Idealfall. Hier kann auch meistens die Vorlauftemperatur nochmal gesenkt werden, weil grundsätzlich bei der Wärmepumpe größere Wasserumlaufmengen benötigt werden bzw. ein Hydraulischer Abgleich im Zuge dieser Maßnahme eine Verringerung der Vorlauftemperatur begünstigt
= weitere Energieeinsparung!

Bei den meisten Sanierungen wird derzeit die Luft-Wasser-Wärmepumpe eingesetzt, weil diese auch hier Vorteile bei der Betrachtung der Gesamtkosten (Betrieb + Invest) ausspielt. Betrachtet man jedoch die Nachhaltigkeit, kann der Verbraucher, der etwas mehr Budget zur Verfügung hat auch mit ruhigem Gewissen auf eine Sole-Wasser-Wärmepumpe setzen. Im Gegensatz ist die Wärmequelle Erdreich als die beständigere im Vergleich zur Wärmequelle Luft zu sehen. Die WQ Luft hat eben den Nachteil, dass die größte Leistung dann gefordert wird, wenn die Wärmequelle selbst am kältesten ist… Oft entscheidet aber auch die Lage des Gebäudes darüber, ob eine „Bohrung“ tatsächlich geduldet wird. Ist das Grundstück erst einmal angelegt, möchten die wenigsten nochmal von vorne beginnen –nicht mal teilweise! 

Wärmepumpen werden als besonders umweltschonend angepriesen. Stimmen Sie dem zu?

Frank Kaiser:
Absolut, aber ich betone nochmal, dass die Anlage richtig ausgelegt werden muss und vor allem eine ganzheitliche Betrachtungsweise her muss. Es ist sicher auch eine weitere „Gewissensberuhigung“ grünen Strom zum Betrieb seine Wärmepumpe zu nutzen. Meiner Meinung nach, kann man eine Wärmepumpe als effizient bezeichnen, wenn Sie mindestens eine 3,5 als Jahresarbeitszahl erreicht – auch die Luft-Wärmepumpe! Natürlich gibt es Effizienzfanatiker, die am liebsten höhere Sollzahlen durchsetzen möchten, die sind aber zum Glück in der Minderheit. Eine gute Sole-Wasser-Wärmepumpe muss mindestens eine 4,3 als JAZ erreichen. Da gehe ich mit den Forderungen der BAFA schon konform. Lassen Sie mich aber an dieser Stelle bemerken, dass der Begriff „umweltschonend“ für mich rein gar nichts mit CO2 zu tun hat, sondern allgemein mit Energiesparen. CO2 ist wieder ein Thema für sich.

Ist die Technik der Wärmepumpe als Heizung ausgereift?

Frank Kaiser:
Im höchsten Maße JA! Es ist sogar so, dass der Generationenwechsel immer schneller stattfindet. Die Entwicklungsgeschwindigkeit hat in den vergangenen Jahren an Fahrt aufgenommen und die herkömmliche Heiztechnik mit Sicherheit schon überholt. Es gibt kein anderes System, das so multivalent einsetzbar ist. Auch bei Anwendungen im Wohnungs- oder Gewerbebau. Hier können Kühl- und Heizaufgaben sogar gleichzeitig bedient werden. Es gibt sogar gasbetriebene Anlagen, die das gewährleisten! Ein Argument, das ich oft schon gehört habe: „aber was ist, wenn der Strom mal ausfällt?“, meine Gegenfrage:“… was macht dann das Gasbrennwertgerät, der Pelletskessel etc.?“. Ja, auch die benötigen Strom und schaut man sich die technischen Daten eines Pelletskessels mal an, nicht gerade wenig!

Welche der drei Wärmepumpen, also Erde, Wasser oder Luft ist zu empfehlen?

Frank Kaiser:
Eigentlich mit Frage 1 und 2 schon angerissen, hier aber nochmal verdeutlicht. Eine Empfehlung kann man nicht so einfach abgeben! Das ist auch von den Absichten bzw. vom Budget abhängig. Nachfolgend ein paar Kriterien aufgeschlüsselt.

Wärmequellen-Ranking / Kriterium Gesamtkosten (Betrieb + Invest)

1. Luft (Bauarten: Kompakt- und Splitbauweise)

2. Erdreich

a. Flächenkollektor (wo machbar)

i. Direktverdampfung

ii. Sole-Flächenkollektor

b. Tiefensonde

3. Grundwasser (ab ca.30kW oder wenn Brunnen bereits vorhanden!)

Wärmequellen-Ranking / Kriterium Nachhaltigkeit (Kosten nachrangig!)

1. Erdreich (bleibt meistens auch bei Austausch der Wärmepumpe bestehen!, Soleumwälzpumpe wird sicher auch einmal ausgetauscht!)
a. Flächenkollektor (DV oder Sole; bei DV gibt es keine Sole-Umwälzpumpe!)
b. Tiefensonde
2. Grundwasser (Brunnen selbst bleibt bestehen, Brunnenpumpe wird jedoch auch schon während der Lebenszyklus einer Wärmepumpe einmal ausgetauscht!)
3. Luft (WP wird bei Austausch kompl.mit der Wärmequelle ausgetauscht!)

Wärmequellen-Ranking / Kriterium Komfortanspruch (zusätzliche Kühlung)

1. Grundwasser (ganzjährig konstante 8-12°C!) = Kühlung allein über WQ
2. Erdreich
a. Tiefensonde
i. Aufnahmefähigkeit bestimmt den Anteil, den die Sonde „allein“ kühlen kann, bis die Wärmepumpe mit arbeiten muss! Flächenkollektor nur bedingt Kühlung möglich!
3. Luft
a. Nur Aktivkühlung möglich! = vergleichbar > Klimaanlage 

Herr Kaiser vielen Dank für das Interview!

Frank Kaiser - Experte für Wärmepumpen

34 Jahre, KeyAccountManager (D) der IDM Energiesysteme GmbH;
Wärmepumpen-Routinier, -experte und coach!
Hydraulik- und Regelstratege
Installateur- und Heizungsbaumeister;

Den Kurs zum EUCERT-HP (EU-zertifizierter Wärmepumpeninstallateur) 2009
als Lehrgangsbester abgeschlossen!

Seit 1999 „auf der Wärmepumpe“ unterwegs, namhafte Hersteller vertreten
und zeitweise auch als Wärmepumpeninstallateur selbst verbaut (10 Jahre)!

Technische Leitung, Projektleitung und Servicetechniker, szs. alle wichtigen Stationen durchlaufen, um mich hier auf dieser Position wiederzufinden.

Seit August 2009 bei IDM Energiesysteme als Technischer Berater, Planerberater
und Wärmepumpencoach eingesetzt, entwickelt und präsentiert Seminare rund um das Thema Wärmepumpenplanung!

Herr Kaiser berichtet regelmäßig in seinem Blog über die Thematik der Wärmepumpe. Hier gelangen zu dem Blog.